Achtsame Berührung

Einführung

Für den Mann ist es oft eine große Herausforderung sich seiner Verletzlichkeit, seiner Empfänglichkeit im Herzen zu öffnen, da er dort sehr früh verletzt wurde. Dies hat unterschiedliche Ursachen. Doch häufig wurde seine Sexualität in der Kindheit unterdrückt, da die Mutter aus ihrer eigenen Verletzung heraus Angst vor der ungezähmten männlichen Energie hatte. Er wurde vom Herzen der Mutter nicht empfangen und genährt, da sie selbst wenig Zugang zu ihrer Weiblichkeit hatte. Er wurde vom Vater in seiner Männlichkeit nicht anerkannt, da dieser selbst jene Stärke verloren hatte, sich unterordnete oder sie mit einer aufgesetzten Härte und Dominanz überspielte.

 

Die Flucht aus dem Schmerz führt die Männer vermehrt in den Verstand und in die Identifikation mit dem Intelekt und dem Körper. Sie leben dadurch oft eine grobe, flache Sexualität, mit einem geringen Zugang zu ihren Gefühlen. Wenn die Mutter sie zusätzlich durch ihre destruktive Emotionalität und Bedürftigkeit belagert und abhängig gemacht hat, unterdrücken sie ebenfalls ihre gesunde Aggression. Sie sind zu großen Jungs geworden, die sich meist von ihren Partnerinnen führen lassen und ihre aktive Kraft aus dem Becken verneinen. Oder sie gehen in die Kontraposition und kontrollieren ihr Umfeld. Der Mann darf sich heute seinen Verletzungen stellen und seine Männlichkeit entdecken, die in ihrer Natur die Härte des Penis mit der Empfänglichkeit im Herzen verbindet.

 

Ich bin der Meinung, dass der Mann einen großen Teil seines Heilungsweges unter Männern gehen sollte, da sie ihn spiegeln und verstehen können. Meine Aufgabe liegt darin, den Mann in die Versöhnung mit seinen weiblichen Qualitäten zu führen und ihm einen Zugang zu einem gesunden, kraftvollen Becken zu schaffen. Außerdem möchte ich ihm mein Wissen und meine Erfahrung schenken, um ihm ein tieferes Verständnis für die Verletzungen und Verhaltensweisen von Frauen zu geben.

Sich berühren lassen

Sich wirklich berühren zu lassen ist eine hohe Kunst, denn wir haben vielfältige Schutzmechanismen kreiert, die ganz subtil arbeiten und nicht zulassen, dass die Berührung tief in unserem Inneren ankommt. Der erste Schritt liegt darin dies wahrzunehmen und liebevoll anzunehmen. Vielleicht spürst du, dass du deine Sensibilität hinter deinen Muskeln versteckst oder unter deinem Bauch oder du fühlst dich ausgeliefert und kämpfst gegen deine Weichheit an, denn du hast schon zu oft gehört, wie ein wirklicher Mann sein sollte - stark und natürlich gut aussehend. All die Bedingungen, die an dich gestellt wurden, haben dir verboten so zu sein, wie du bist. Wenn du dich wirklich berühren lässt, lässt du es zu, dass man dich sieht, wie du bist. Und das macht vielleicht erst einmal Angst, weil man in seinem Wesen so oft abgelehnt wurde.

Kommunizieren

Im zweiten Schritt geht es darum, das, was du fühlst mitzuteilen. Selbst wenn du nicht genau weißt, was es ist. Allmählich nähern wir uns den Gefühlen an und versuchen sie erst einmal aus der Entfernung zu sehen und darüber zu sprechen. Häufig erlebe ich, dass Männer sich in ein Kokon zurückziehen, wenn sie in ihren Gefühlen berührt sind. Zu oft wurden sie von den Emotionen der Mutter überschwemmt und manipuliert. Es geht also darum sich der Angst vor Emotion bewusst zu werden und darüber zu sprechen.

Emotionen ausdrücken

Öffnest du das Tor zu deinen Emotionen, indem du deine Angst akzeptierst und die Kontrolle über deinen Körper loslässt, können alte Bilder und Schmerzen aus der Vergangenheit auftauchen. Nun ist der Raum da, in dem sie ausgedrückt und gehalten werden können. Männer wurden oft in ihrer Wildheit und Unbändigkeit unterdrückt.
All dies darf zum Vorschein kommen und lebendig werden.

Die Verbindung zum Herzen

Wenn du deine Emotionen ausgedrückt hast, kannst du dein Herz öffnen. Das hört sich leicht an, ist es aber nicht. Die meisten Menschen wissen nicht mehr, was es heißt, sein Herz zu öffnen. Es reicht nicht "Ich liebe dich" zu sagen oder eine nette Geste zu tun, auch Weinen bedeutet nicht, dass das Herz offen ist. Der Herzraum ist nicht mit Worten zu beschreiben. Du weißt, dass dein Herz offen ist, wenn du es erfährst. Es fühlt sich an wie ein lang ersehntes Erwachen. Schmerz und tiefe Freude zu gleich. Du spürst, wie du empfangen und dich damit nähren kannst.

Dann ist wirkliche Berührung entstanden.

Die Verbindung zum Becken

Spürst du den Zugang zu deinem Herzen, können wir auch in die Verbindung mit deinem Becken gehen. Dies ist die Voraussetzung dafür, dass du dein sexuelles Wesen neu erleben kannst. Die Herausforderung liegt darin, dich von einer Frau berühren zu lassen, ohne dabei in den Kopf und in Bilder zu flüchten. Ich helfe dir dabei, immer wieder ins Fühlen zu kommen, dass die Ängste, die sich im Bezug zu deiner Sexualität entwickelt haben, sich zeigen und gehen können. Die Empfänglichkeit im Becken des Mannes, hat mit einer Hingabe aus dem Herzen heraus zu tun. Dafür ist es notwendig die Verletzungen des inneren Kindes zu kennen. Eine harte, schnelle Sexualität ist ein Zeichen dafür, dass der Mann sein inneres Kind schützt und sich verbietet sich wirklich von der Frau zu nähren und sich ihr zu öffnen und sich zu verschenken.

Achtsamkeit im Alltag

Um tiefer in die Empfindungen zu kommen und Herz & Becken zu verbinden, ist es auch wichtig, dies im Alltag zu leben. Ich zeige dir, wie du immer bewusster dein Kompensationsverhalten erkennen und verändern kannst. Dies fängt mit der Beziehung zu dir selbst an, mit deiner Partnerin und dein Verhalten in deinem Berufsleben. Auch der Umgang mit Aggression ist ein wichtiger Punkt, der ganz bewusst angeschaut werden muss, um in ein erfülltes Mann-Sein zu gelangen. Solange bestimmte Qualitäten und Energien in uns unterdrückt sind, suchen sie sich einen Weg, der sich meist auf destruktive Art und Weise ausdrückt (Gewalt, Missbrauch, Pornographie). Dies sind klare Überlebensmuster und nicht abzuwerten. Wollen wir aber tiefer in die Liebe eintauchen, müssen wir uns diesen stellen und sie auflösen, damit die Energie für unser kreatives Schaffen zur Verfügung steht.